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Schulleiter am MGI: Herr Müller-Frerich

Seit 2002 ist Herr Müller-Frerich Schulleiter am MGI.

Selbstportrait (von Herrn Müller-Frerich)

Geboren und aufgewachsen bin ich in Dortmund, aber nur scheinbar in einer Großstadt. Dortmund hat viele Vororte, der Vorort, in dem ich groß wurde, hatte eher ländlichen Charakter. Er erinnert mich in vielem an die Vororte Iserlohns. Nach vier Jahren Volksschule, so hieß das damals, besuchte ich das Helmholtz-Gymnasium in Dortmund. So wie man sich am MGI in der Klasse 9 für die 3. Fremdsprache oder andere Kurse im Bereich der Differenzierung entscheiden muss, musste man sich damals für den mathematisch-naturwissenschaftlichen oder den sprachlichen Zweig entscheiden. Für mich war völlig klar, dass der sprachliche Zweig der besser geeignete wäre. Die Schulzeit war damals sicherlich in vielem anders, unter anderem darin, dass wir ein reines Jungengymnasium waren und für den Umgang mit Mädchen uns mit dem benachbarten Mädchengymnasium in Verbindung setzen mussten. Der Umgangston war rau, aber herzlich. Herr Grützner, der seine Referendarzeit an dieser Schule absolvierte, kann dies sicher bestätigen. Die Gefühle, mit denen man zur Schule ging, waren ähnlich denen heute. Das meiste machte Spaß, mit vielen Lehrern verstand man sich gut, mit einigen nicht. Auch wenn manche heute anderes behaupten - auch damals spielte der Spaßfaktor eine wichtige Rolle. Gelernt wurde trotzdem, so wie heute eben auch.
Als kleiner Junge beeindruckten mich Bagger sehr. Deswegen war Baggerführer auch eine kurze Zeit ein interessanter Beruf für mich. Heute noch träume ich davon, so einen kleinen Bagger für die Bürgersteige selbst zu besitzen und hemmungslos damit baggern zu können.
Die Berufswünsche änderten sich. Wie viele Schülerinnen und Schüler am MGI war ich Fahrschüler, das heißt, ich musste jeden Morgen mit dem Zug fahren, um zum Gymnasium zu kommen. Als Herr dieses Geschehens erschien mir der Lokführer. Ich stieg also in meinen beruflichen Sehnsüchten um vom Baggerführer zum Lokführer. Schließlich orientierte ich mich noch weiter nach oben, Piloten wurden meine Idole. Mit zunehmendem Alter merkte ich dann aber, wo meine wirklichen Interessen lagen. Alles, was mit Sprachen zu tun hat, interessierte mich sehr, und da mir außerdem der Umgang mit Kindern und Jugendlichen Spaß machte, kam als Berufsziel immer stärker der Beruf eines Lehrers in den Vordergrund. Trotz anderer Ratschläge von Lehrer-Verwandten ( „Junge, tu das nicht! Und schon gar nicht zwei Korrekturfächer!“) ließ ich mich nicht mehr abhalten, Lehrer zu werden, und habe diesen Schritt bis heute nicht bereut.

Ich studierte in Bochum und Lausanne (französischsprachige Schweiz). Nach dem Studium begann ich meine Referendarzeit in Lünen-Altlünen. Für diejenigen, die Lehrer werden wollen, ist das der entscheidende Punkt. Bis auf ein Praktikum, das eigentlich nicht zählt, kommt man erstmals mit lebendigen Schülerinnen und Schülern in Kontakt. Jetzt erst sieht man, eigentlich viel zu spät, ob man den richtigen Beruf gewählt hat. Mir machte das Unterrichten viel Spaß. Ich hatte immer das Gefühl, es richtig gemacht zu haben.

Nach der Referendarzeit begann ich dann meine Arbeit am Gymnasium Letmathe. Selbstverständlich stand dort der Unterricht im Mittelpunkt, aber „so nebenbei“ nimmt man die ein oder andere Tätigkeit wahr. Seit 1987 war ich dort in der Oberstufe als Stufenleiter tätig, in den letzten Jahren als Oberstufenkoordinator. Neben meinen beiden Fächern entdeckte ich eine alte Liebe wieder, die mich bereits als Schüler und Student intensiv beschäftigt hatte: das Theaterspielen. Nur dass ich diesmal nicht selbst spielte, sondern Schülerinnen und Schülern auf der Bühne helfen konnte und Regie führte. Da ich mich immer schon sehr für Musik interessierte und sehr eng mit einer Musikkollegin zusammenarbeitete, kamen wir auf die Idee, Musiktheater auf die Bühne zu bringen. Dies wurde sehr schnell eine Spezialität, die mich in Letmathe buchstäblich bis zum letzten Schultag „verfolgte“. Zweimal habe ich „Nie wieder!“ gesagt, und dann doch wieder einen Literaturkurs übernommen. Irgendwie ließ es mich nicht los.

Zum MGI bin ich aber nicht gewechselt, um keine Literaturkurse mehr machen zu müssen. Ich war sehr gerne in Letmathe Lehrer, aber die Aufgabe des Schulleiters reizte mich nach 22 Jahren am Gymnasium Letmathe. Wichtig war dabei für mich, dass es eine Schule in Iserlohn war, weil mir diese Stadt in den über 20 Jahren hier doch sehr ans Herz gewachsen ist. Sie ist überschaubar, aber nicht zu klein, Schülerinnen, Schüler und Eltern, Politiker und Verwaltung sind am Wohl der Schulen sehr interessiert.
Und so bin ich nun seit einem Schuljahr hier und muss noch einmal sagen, dass ich diesen Schritt ebenfalls bisher nicht bereut habe. Ich bin von allen sehr freundlich aufgenommen worden, man macht mir die Arbeit leicht. Natürlich wird sich mit der Zeit das eine oder andere verändern in der Schule - nicht nur am MGI - dies sollte aber meiner Ansicht nach in möglichst großer Übereinstimmung zwischen allen Beteiligten erfolgen. Meine 17-jährige Tochter sorgt dafür, dass ich tagtäglich erlebe, wie sich Schule aus Schülersicht präsentiert. Ich hoffe, dass ich diesen „anderen Blick“ auf Schule auch nach der Schulzeit meiner Tochter noch ein bisschen bewahren kann.
Wir alle wissen, dass – danach gefragt, wer man denn eigentlich sei – Daten und Fakten genannt werden. Wir wissen aber auch, dass das eigentlich nicht den Menschen ausmacht. Wie ich nun „bin“, das kann ich selbst nicht sagen, darüber sollten sich besser andere Gedanken machen. Ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Jahren näher kennen lernen und dass ich als neuer Schulleiter des Märkischen Gymnasiums möglichst vielen ein vertrauter Mensch werde.

 

Amtsantrittsrede von Herrn Müller-Frerich
am 2.Oktober 2002

"Sehr geehrte Frau Noll! Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Liebe Schülerinnen und Schüler!Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich danke zunächst einmal für die freundlichen Worte und die guten Wünsche sowie für Ihr zahlreiches Erscheinen. Ich habe dies nicht irgendwelchen Verdiensten meinerseits zu verdanken, sondern ausschließlich der Funktion, die ich jetzt inne habe, und der Reputation des Märkischen Gymnasiums. Dies zeigt mir erneut die Verantwortung, die ich übernehme. Ich möchte mich bedanken für die freundliche Aufnahme, die ich hier am Märkischen Gymnasium gefunden habe, von Seiten der Stadt, der Eltern, der Schülerinnen und Schüler und der Kolleginnen und Kollegen. Alle waren und sind sehr bemüht mir zu helfen, das wiederum hilft mir sehr. Den Kolleginnen und Kollegen, allen voran Herrn Schürmann, sei für die Organisation dieser Amtseinführung gedankt.
Ich denke, Sie haben Verständnis dafür, vielleicht kommt es Ihnen sogar entgegen, dass ich jetzt nicht eine Grundsatzrede über die Bildung im Allgemeinen und an dieser Schule im Besonderen halte. Ich möchte nur wenige Gedanken äußern, sicherlich keine neuen Ideen, aber sie betreffen das, was mir an Schule besonders wichtig ist.

Bevor ich aber damit beginne, das habe ich inzwischen gelernt, sind am Märkischen Gymnasium immer erst die "Mitteilungen des Schulleiters" auf der Tagesordnung. Selbstverständlich auch heute! Ich habe das Mitteilungsbuch mitgebracht, es wirkt etwas älter, nun ja, in Zeiten knapper Kassen!
Zunächst eine Information für die Vertreter der Stadt:
Verfügungen der vorgesetzten Königlichen Behörden:
Durch den Ministerialerlass vom 9. August vorigen Jahres wird die bisherige Vorschrift, wonach nicht verwendete Geldmittel an die Regierungshauptkasse zurückgeliefert werden mussten, vom 1. April ab außer Kraft gesetzt. Zugleich wird angeordnet, dass unverwendete Mittel den Anstaltskassen verbleiben und in die folgenden Jahresrechnungen zu übertragen sind unter einem besonderen Titel mit der Bezeichnung "Kapitalien,welche aus Ersparnissen der laufenden Verwaltung herrühren".
Dies, meine Damen und Herren, macht endlich das möglich, was sich Schulen schon so lange wünschten, nämlich die ungekürzte Übertragung von Geldern aus einem Haushaltsjahr in das nächste und damit die noch weitergehende selbstständige Verwaltung von Geldern. Es ist eine Verfügung aus dem Schuljahr 1879/80.
Eine erfreuliche Botschaft für die Bezirksregierung, hier vertreten durch Frau Noll:
Hier steht: Ein ausführliches Schulprogramm erscheint Ostern kommenden Jahres! Vorläufig mag bemerkt werden, dass der allgemeine Lehrplan sich den Bestimmungen der Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6.10.1859 genau anschließt.
Etwas länger als bis Ostern wird es schon noch dauern, Frau Noll, aber wir sind dran!

Nun etwas für Sie, liebe Eltern, und für euch, liebe Schülerinnen und Schüler, aber auch zur Mahnung für uns, liebe Kolleginnen und Kollegen:
Die Schule ist darauf bedacht, durch die den Schülern aufgegebene häusliche Beschäftigung den Erfolg des Unterrichts zu sichern und die Schüler zu selbstständiger Tätigkeit anzuleiten, aber nicht einen der körperlichen und geistigen Entwicklung nachteiligen Anspruch an die Zeitdauer der häuslichen Arbeit der Schüler zu machen. In beiden Hinsichten hat die Schule auf die Unterstützung des elterlichen Hauses zu rechnen. Es ist die Pflicht der Eltern und deren Stellvertreter auf den regelmäßigen häuslichen Fleiß und die verständige Zeiteinteilung ihrer Kinder selbst zu halten, aber es ist ebenso sehr ihre Pflicht, wenn die Forderungen der Schule das zuträgliche Maß der häuslichen Arbeitszeit ihnen zu überschreiten scheinen, davon Kenntnis zu geben. Die Eltern oder deren Stellvertreter werden ausdrücklich ersucht, in solchen Fällen dem Direktor oder dem Klassenordinarius persönlich oder schriftlich Mitteilung zu machen und wollen überzeugt sein, dass eine solche Mitteilung dem betreffenden Schüler in keiner Weise zum Nachteil gereicht, sondern nur zu eingehender und unbefangener Untersuchung der Sache führt. Anonyme Zuschriften, die in solchen Fällen gelegentlich vorkommen, erschweren die genaue Prüfung des Sachverhalts und machen, wie sie der Ausdruck mangelnden Vertrauens sind, die für die Schule unerlässliche Verständigung mit dem elterlichen Hause unmöglich.

Im Anschlusse an die erwähnte Ministerialverordnung hat das Königliche Provinzial-Schulkollegium durch Verfügung vom 5. Januar des Jahres angeordnet, dass die Arbeitszeit,welche Schüler von mittlerer Begabung für ihre häuslichen Schularbeiten aufwenden müssen, in den oberen Klassen vier, in den mittleren Klassen drei, in den unteren Klassen zwei Stunden nicht übersteigen darf.
Dies schreibt uns mein Kollege und Amtsvorgänger Dr. Langguth im Jahresbericht für das Schuljahr 1875/76.
Und schließlich noch einmal für die gesamte Schulgemeinde ein Jahr später:
Die Verfügung vom 29. September weist die Direktoren und Lehrerkollegien an, dem Entstehen von so genannten Verbindungen unter Schülern zu regelmäßigen, mit Trinkgelagen verbundenen Zusammenkünften, weil sie die Disziplin der Schule untergraben und den regelmäßigen Fortgang der Studien stören und beeinträchtigen, nach Kräften vorzubeugen, vorkommenden Falls aber mit aller Strenge dagegen einzuschreiten.

So weit die Mitteilungen des Schulleiters!
Diese Auszüge aus den Mitteilungen dieser Schule im letzten Jahrhundert lassen uns schmunzeln, sie zeigen aber vor allem eins: In der Pädagogik, in den Schulen scheint es kaum etwas Neues zu geben. Auch vor 130, 150 Jahren gab es Disziplinprobleme in Verbindung mit Alkohol, ging es um das Thema Schulprogramm, ging es um das Thema Länge der Hausaufgaben, wenn auch auf höherem Niveau, ging es um das Thema Selbstständigkeit von Schulen.
Neuheiten in der Schule scheinen fast immer eine Variation dessen zu sein, was es irgendwann schon einmal gab. Wie kommt das?
Schule hat bestimmte Konstanten. Die wichtigste: Wir haben es mit Menschen zu tun. Menschen werden geboren als Kinder und Kinder haben nun einmal ganz besondere Eigenheiten, Jugendliche ebenfalls, die Ausformungen mögen heute andere sein als früher, aber der Kern hat sich nicht verändert. Es sind die Phantasie, die Offenheit, die grenzenlose Neugier, in negativer Ausprägung die Lust, mit spitzen Scheren und scharfen Messern zu spielen, bedenkenlos auszuprobieren, Gefahren nicht zu sehen. Kollege Dr. Langguth und seine Kollegen in der Oberrealschule Iserlohn sind eingeschritten, sie haben Freiheiten eingegrenzt.

Denn: Eine grenzenlose Freiheit für Kinder überfordert sie. Es ist Zeichen der Reife, des Erwachsenseins, bestimmte Freiheiten, die zu Lasten anderer gehen, nicht für sich zu reklamieren, sondern in einem Prozess der Freiwilligkeit darauf zu verzichten (Gaschke, S. 17). Ich erreiche nicht das Ziel, aus Kindern und Jugendlichen verantwortungsbewusste Menschen zu machen, indem ich ihnen von vornherein alle Freiheiten lasse. "Es ist der fundamentale Irrtum der antiautoritären Pädagogik, das Erziehungsziel, den freien, verantwortungsvollen Menschen, mit dem Weg zu diesem Ziel verwechselt zu haben." (Gaschke, S. 17). Die Tradition der Pädagogik und dieser Schule lehren uns, dass wir alle gemeinsam den Mut haben müssen, den unbequemen Weg der Erziehung zu gehen in Verantwortung vor den uns anvertrauten Kindern. Wohin, wozu erziehen wir? Auch hier hilft uns die Tradition. Im Umgang mit Menschen sollten sich eigentlich die Regeln, mindestens seit es das Christentum gibt, nicht wesentlich geändert haben. Auch wenn der Gottesglaube vielen Menschen abhanden gekommen ist, die Notwendigkeit der Nächstenliebe, in nicht-christlichen Kategorien gesprochen der menschlichen Solidarität, ist deswegen nicht geringer geworden, weil ohne sie ein menschliches Zusammenleben vielleicht möglich, aber für die meisten unerträglich ist. Die Schule muss ihren Teil dazu beitragen, aus der christlichen Tradition heraus, die das Märkische Gymnasium über Jahrhunderte geprägt hat, diese Werte zu vermitteln und zu schützen. Dazu müssen Freiheiten gewährt werden, aber Kindern und Jugendlichen auch Grenzen gesetzt werden. Dazu müssen Werte ins Bewusstsein gebracht werden, z. B. durch Vermittlung unserer Kultur, durch die Kenntnis unserer Geschichte, aber auch durch ganz andere Dinge, wie zum Beispiel die Vorbildfunktion von Erwachsenen. Nächstenliebe heißt für mich, einen Menschen so wie er ist, als Ganzes zu respektieren und ihm zu helfen, die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen. Wenn man es schafft, anderen Menschen, vor allem aber Kindern und Jugendlichen, dieses Gefühl zu geben, dass man sie nie als Person insgesamt in Frage stellt, sondern nur immer bestimmte Verhaltensweisen und Schwächen, dann kann Erziehung gelingen.
Bildung und Erziehung sind ein sehr komplexer Bereich, wir dürfen Bildung nicht auf die Funktionstüchtigkeit von Menschen reduzieren. Bildung kommt von "bilden", d.h. dass ich mich und andere forme, dass ich Menschen gestalte. Nicht indem ich versuche, Macht über sie zu gewinnen, sondern indem ich sie mit Wissen, Fertigkeiten und moralischen Werten so stark und unabhängig mache, dass sie selbst ihre Freiheit verantwortungsvoll gestalten können. Wir müssen die Bildung wieder stärker gemeinsam in die Hand nehmen und sie nicht den Entertainern des Fernsehens überlassen. PISA scheint Dieter Hildebrandt recht zu geben mit seiner satirischen Bemerkung, dass "Bildung von Bildschirm kommt und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung." Ein durchschnittlicher 18-Jähriger hat bereits rund 13.000 Stunden vor dem Fernseher verbracht, aber nur 12.000 Stunden in der Schule!

In den zehn Geboten heißt es auch: "Du sollst dir kein Bildnis machen". Auch dies ist mir sehr wichtig: Die Offenheit den Kindern gegenüber zu bewahren, sich von ihnen überraschen zu lassen. "Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir,
o Gott, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen", schreibt die spanische Mystikerin Teresa von Avila im 16. Jahrhundert, für Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Erzieher, alle, die mit Menschen zu tun haben, ein beherzigenswerter Satz.
Auf Tradition, hier auf die Tradition der Pädagogik, des Christentums, dieser Schule zurückzugreifen und zu verweisen, gibt Überlegungen immer eine gewisse Gelassenheit und Autorität. Was schon immer so war, kann ja nicht schlecht sein. Aber: Tradition darf uns nicht zur geistigen Faulheit führen, sie muss den Erfordernissen unserer Zeit angepasst werden, in der Schule gibt es eben doch immer wieder etwas Neues. Bestes Beispiel ist im Moment die Revolution in den Kommunikationsmedien. Wir müssen den Mut haben, das auszuprobieren und umzusetzen, was wir in dieser Schule gemeinsam für richtig und wichtig halten, ohne gleich allen selbst ernannten Heilslehrern des deutschen Bildungssystems zu glauben. Ich kann nicht immer darauf warten, dass andere mir irgendwann einmal den Königsweg zu Bildung und Erziehung zeigen. "In fünf Jahren haben wir dieses oder jenes Problem nicht mehr", dieser Spruch nützt den Kindern, die jetzt in der Schule sind, gar nichts.
Und: Wir müssen den Mut haben, uns nicht Dinge schönzureden, sondern das, was wir tun, ohne Angst vor Gesichtsverlust immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Für diese Bereitschaft der offenen Kritik ist ein Klima nötig, in dem alle Beteiligten zunächst einmal den guten Willen bei ihren Partnern in der Schule unterstellen, für die Kinder das beste zu wollen.
Zum Mut gehört Optimismus, etwas ändern zu können. Diesen Optimismus sollten wir auch den Kindern vermitteln. Johannes Rau fasst dies sehr schön zusammen: "Schulen dürfen nicht zu Orten der Angst werden, weder für Schüler noch für Lehrer. Wir dürfen unseren Kindern nicht vorgaukeln, die Welt sei heil. Aber wir sollten in ihnen die Zuversicht wecken, dass die Welt nicht unheilbar ist."

Wenn man zum Märkischen Gymnasium kommt, wird man - ob als Lehrer oder als Schulleiter - bescheiden. Was bedeutet eine einzelne Person schon in der Tradition einer Schule, die seit so langer Zeit besteht. Ein kurzes Aufflackern im Laufe der Zeiten, ein Name, der vergeht, vielleicht später einmal in den Annalen dieser Schule stehen wird oder dessen Bild für eine begrenzte Zeit im Zimmer der kommenden Schulleiter hängt. Dennoch: Für diese Kinder, die in dieser Zeit, in der wir an dieser Schule sind, hier lernen und leben, sind wir alle, die wir hier sitzen, wichtig. Sie haben nur diese eine Chance, die notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten, Werte vermittelt zu bekommen.
Das alles findet in dieser Schule nicht erst mit Müller-Frerich statt. Es hat an dieser Schule Tradition. Aber: Es muss immer weiter gehen. Tradition muss, wie Gustav Mahler das einmal gesagt hat, „Bewahrung des Feuers“ bedeuten und nicht „Anbetung der Asche“. „Ex traditione innovatio”! Erneuerung aus der Tradition heraus! Erneuerung nicht um jeden Preis und um ihrer selbst willen, sondern dort, wo sie sinnvoll und notwendig ist, aus der Tradition dieses Gymnasiums heraus, das ist es, was ich mir wünsche. Ich kann nur versprechen, dass ich versuchen will, dazu mein Bestes zu geben.
Ich danke Ihnen!"

Der Iserlohner Kreisanzeiger berichtet dazu in seiner Ausgabe vom 3.Okt. 2002:

Tradition und der Geist für Innovationen am MGI

Willkommensgrüße für „kompetenten, netten, jungen Mann“

Viele herzliche Willkommensgrüße hörte Gerhard Müller-Frerich gestern Vormittag. In den Ansprachen schwang die Anerkennung mit, die sich der neue MGI-Chef seit Schuljahresbeginn bereits am Hemberg erworben hat. Den fröhlichsten Gruß formulierte der jüngste Redner, Schülersprecher Thore Schölermann, der sich auf die gute Zusammenarbeit mit einem „kompetenten, netten, jungen Mann“ freute. Der so Angesprochene bekam auch gleich einen kleinen Einblick in das Leben an der in Teilen renovierungs- bedürftigen Schule mit den großen Fluren, kleinen Türen und undichten Flachdächern. Zum Beispiel von Gudrun Burwitz, die als Sprecherin für „die nicht mehr allerjüngsten Kollegen“ auf das trotz äußerer Unzulänglichkeiten dennoch angenehme und freundliche Arbeitsklima verwies.

Bürgermeister Klaus Müller erinnerte daran, dass das Märkische Gymnasium zwar auf eine fast 400-jährige Tradition zurückblickt, jedoch mit dem „Iserlohner Modell“ zur Einführung der Oberstufenreform eine Vorreiterrolle spielte und Innovationsgeist bewies.

Mehrfach angesprochen wurde Müller-Frerichs engagierte und erfolgreiche Theaterarbeit am Letmather Gymnasium. Diese Erinnerung war - neben Klavier - und Flötenstücken- auch ein Liedbeitrag gewidmet. Melanie Krause und Martin Knoche ließen das Lied von Macki Messer erklingen - so wie 1986, als Müller-Frerich die „Dreigroschenoper“ in Letmathe inszenierte.

Der neue MGI-Chef ging bei seiner Ansprache in die Geschichte der Traditionsschule, in deren Schülerlisten sich sämtliche alteingesessenen Iserlohner Familien wiederfinden. Dass heutige Sorgen nicht so weit weg sind von früheren Nöten, bewies er mit einem Mitteilungsbuch des Schulleiters vom Ende des vorletzten Jahrhunderts. Damals ging es um Budgetierung, Zeit für Hausaufgaben und Gelage von Oberstufenschülern.

Der Stadtspiegel berichtet dazu am 4.10.02:

Ein nahtloser Übergang

Offizielle Amtseinführung von MGI-Chef Gerhard Müller-Frerich

Der Übergang geschah nahtlos und – wie aus den Reden zu entnehmen war – auch reibungslos. Zum Schuljahresende schied Oberstudiendirektor Franz-Josef Schlotmann aus seinem Amt als Leiter des Märkischen Gymnasiums aus. Seit Schuljahresbeginn, dem 1. August, sitzt nunmehr Studiendirektor Gerhard Müller-Frerich im umgeräumten Chefzimmer des MGI.
Zunächst bedeutet dies allerdings für den vormaligen Letmather Gymnasiallehrer nur mehr Arbeit. Auf die Ernennung zum Oberstudiendirektor und die mit dem Titel verbundenen Mittel muss der gebürtige Dortmunder noch ein Jahr warten, wie die Regierungsschuldirektorin Evelyn Noll gestern bei der offiziellen Amtseinführung ankündigte.
Unter den zahlreichen Gästen der Feierstunde war auch wieder Dr. Gustav Muthmann, der schon zur Verabschiedung seines direkten Nachfolgers, Franz-Josef Schlotmann, vor gut sieben Wochen besuchsweise an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt war.